Statement von CHARTA-Botschafter Bernard Senn Redaktor Schweizer Radio DRS / SF- Fernsehmoderator (Sternstunden)

Eine Frau, die mit Arm- und Beinstümpfen zur Welt gekommen ist, hat mir in langen Gesprächen gezeigt, was es heisst, trotzdem mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen und anzupacken, wo es anzupacken gilt. Ein Mann mit einer zerebralen Störung hat mich mit seiner inneren Ruhe überrascht… und seinem Humor.

Mit einer jungen Asperger-Autistin habe ich eine intensive Radiostunde gestaltet, in der sie mir gezeigt, wie viel vielfältiger die Welt doch ist, als das, was ich bislang von ihr wahrgenommen habe. Der ehemalige Motorradfahrer, der jetzt als Tetraplegiker im Rollstuhl sitzt, hat mir - wieder in einer anderen Sendung - eindrucksvoll vorgeführt, was sich mit gelähmten Armen, neuster Technik und starkem Willen machen lässt: nämlich z.B. am Computer komplexe Heiz- und Klimasysteme zu zeichnen.

Behinderte Menschen wecken sowohl mein privates als auch mein journalistisches Interesse. Vor allem dann, wenn sie sich nicht behindern lassen. Und davon gibt es viele und zum Glück immer mehr. Als Gesellschaft sind wir schon beachtlich weit gekommen, was unseren Umgang mit Behinderungen anbelangt. Aber noch bleibt viel zu tun. Neugierig zu sein auf die in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkten Mitmenschen ist ein erster Schritt hin zu echten Begegnungen. Begegnungen, die im Idealfall nicht nur den Dialog, sondern auch Handlungen in Gang setzen. Handlungen hin zu einer zukunftsfähigen Gemeinschaft.“



DIE CHARTA – Arbeit für Menschen mit Behinderung www.diecharta.ch